Edler Kopfschmuck für die Braut – Interview mit Niely Hoetsch von Das Weddings

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Der Weihnachtsstress ist schon lange vorbei, wir haben den Rutsch ins neue Jahr gut überstanden und alle gebürtig gefeiert. Für mich ist das aber noch lange kein Grund, das Lichter- und Glanz-Spektakel der letzten Wochen hinter mich zu lassen und in einen grauen Alltag zu starten. Ich kann von Glitter & Bling-Bling einfach nicht genug bekommen und habe somit der Kopfschmuck-Designerin Niely Hoetsch einen Besuch abgestattet. Ihre Glanzstücke sind individuelle Eigenkreationen, alle per Handarbeit gefertigt und einfach traumhaft – ich könnte sie stundenlang nur bestaunen!

Niely Hoetsch ist in Brasilien geboren und aufgewachsen, wollte aber schon immer die Welt sehen, träumte vom Reisen und Entdecken. Schlussendlich hat es sie nach Wien gezogen, wo sie neben Michaela Honies als Kuratorin der Wedding Affairs arbeitet, das Label Das Weddings gründete und seit 2009 ihre eigenen Kopfschmuck-Kreationen unter dem Namen Niely Hoetsch vertreibt. Ende 2013 organisierte sie zusammen mit Michaela Honies von Elegant Events die erste Bridal Trunk Show 2013 in Wien, die ich besucht habe und auf der ich ein Kleid von Jenny Packham Probe tragen durfte – meinen Bericht darüber findet ihr hier. Die beiden sind auch die Organisatorinnen der Wiener Hochzeitsmesse Wedding Affairs, von der ich euch hier berichtet habe.

Im Interview erzählt die Designerin, was sie zu dieser kreativen Arbeit geführt hat und was sie an ihrer Wahlheimat Wien so liebt. Niely, vielen Dank für den herzlichen Empfang und das nette Gespräch. Für mich ist es der letzte Beitrag auf dem Brautsalat – ich bin aus Hamburg wieder nach Wien gezogen und beende hier mein Studium. Aber der Hochzeitswelt und dem Brautsalat bleibe ich natürlich treu! 😉

Meine lieben Leser und Leserinnen, habt viel Spaß mit den wunderschönen Bildern & dem Interview. Alles Liebe, eureTamara2

 

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Liebe Niely, echt schön hast du’s in deinem Atelier. Der Kopfschmuck glitzert ja bis hierher – aber sag mal, neben deinen Teilen stehen auch Kreationen von Jenny Packham hier. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit der Londoner Brautkleid- und Schmuck-Designerin?

Ich wollte immer schon fertigen Kopfschmuck neben meinen eigenen Sachen anbieten. Der Grund ist, dass ich im Frühjahr fürs Designen meiner eigenen Stücke da bin, aber mich im Herbst hauptsächlich um die Planung der Wedding Affairs kümmere. Und da kann ich mir nicht immer die Zeit nehmen, etwas Individuelles zu entwerfen. Wenn eine Braut zu mir kommt, hab‘ ich dann trotzdem schönen Schmuck für sie. Jenny Packham hab ich immer schon gemocht. Und dann war Jenny Packham’s Managerin mal in Österreich auf Skiurlaub und kam kurz nach Wien. Sie fragte bei Popp & Kretschmer nach, wer in Wien gut genug wäre, um Jenny Packham Bridal zu verkaufen. Sie haben Petra Papst und mich vorgeschlagen, ich bin nach London geflogen und so wurde ausgemacht, dass ihre Kleider zu Petra Papst kommen und der Kopfschmuck zu mir. Die Stücke sind einfach wunderschön und ich bin stolz, sie im Namen von Das Weddings verkaufen zu dürfen.

Und deine selbst designten Schmuckstücke werden unter einem anderen Namen verkauft.

Ja genau, das ist die perfekte Trennung, weil es keine Identitätsprobleme für mich gibt. Meine Stücke laufen unter dem Namen Niely Hoetsch, der Kopfschmuck von Jenny Packham unter ‚Das Weddings‘. Aber ich stehe voll hinter ihrem Design und freue mich, wenn meine Kunden sich für ein Stück von ihr entscheiden.

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© everton rosa

Wie bist du zu deinem Atelier hier in Wien gekommen?

Als ich angefangen habe, hatte ich ein kleines Atelier und einen eigenen Showroom in Wien, das hat aber nicht geklappt. Das Atelier war zu klein und es war sehr umständlich, weil der Showroom vom Atelier getrennt war. Wenn eine Braut zu mir gekommen ist und doch andere Materialien sehen wollte als ausgemacht, hatte ich sie nicht alle parat. Das war mühsam. Einen Kopfschmuck oder ein Brautkleid zu kaufen ist ein ganz besonderer Moment im Leben einer Frau. Deshalb habe ich nun dieses Atelier und lade die Bräute hierher ein. Ich weiß, dass die Atmosphäre wichtig ist. Sie kommen her, ich nehme mir Zeit, mache die Schubladen auf, sie sehen die Spitze, den Tüll, sie sehen wie ich arbeite – das ist Teil des ganzen Braut-Daseins. Ich glaub‘, sie fühlen sich so sicherer. Sie wollen nicht kommen, den Kopfschmuck nehmen und wieder gehen. Es gibt eine Geschichte dahinter, es ist IHR Kopfschmuck und der sollte gemeinsam entworfen werden. Es ist ein ganzer Prozess. Deswegen empfange ich die Bräute direkt im Atelier, es gibt ein Gläschen Sekt. Es ist viel angenehmer, für die Bräute so wie auch für mich.

Man kann bei dir also fertige Stücke kaufen, aber auch ganz individuell mitgestalten oder gestalten lassen. Stellen wir uns vor, ich bin eine Braut und komme zu dir. Wie geht es weiter? Und was machst du mit Bräuten, die noch überhaupt keine Vorstellung darüber haben, was sie wollen?

Ich liebe Bräute, die herkommen und sagen ‚Ich weiß noch nicht, was ich will‘. (lacht) Ich mag das sehr, weil es mir soviel Freiheit gibt. Das sind die Bräute, die normalerweise mit den tollsten Sachen hinausgehen. Das Wichtigste ist aber, herauszufinden, welches Kleid und welchen Stil die Braut hat. Die Farbe und das Material des Kleides machen die Basis aus. Die Farbe ist wichtig, weil die Materialien miteinander harmonieren müssen. Es muss stimmig sein. Und dann finde ich heraus, welche Form die Braut gern hat. Ist sie eine Braut für Blumen? Bird-Cage? Ist sie eine Schleier-Braut oder eher für Federn? Will sie Volumen? Ist sie extravagant? Will sie offene Haare oder einen Dutt? Es ist also wichtig: Wie wird die Form am Ende, das ganze Outfit zusammen. Erst dann habe ich ein Gesamtbild in meinem Kopf und weiß ich, wie die Form des Kopfschmucks aussehen kann bzw. soll. Danach ist es nur noch eine Materialien-Entscheidung, z.B. Spitzen mit Perlen oder Spitze mit Edelschmuck. Ich mag es sehr, wenn ich verschiedene Materialien mischen und einbauen kann.

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Hast du selbst ein Lieblingsstück in deiner Kollektion?

Also ich hab‘ ein paar Lieblingsstücke. Als ich angefangen habe, hat meine Oma mit mir die erste Kollektion vorbereitet. Ich bin in ihrem Atelier sozusagen aufgewachsen und hab immer mitgeholfen. Irgendwann wollte sie dann, dass ich komplexe Techniken lerne. Wir haben sehr aufwendige Stücke zusammen gemacht. Wir haben Rosenblüten bestickt, diese Rosenblüten-Ausbildung war Horror (lacht). Aber diese Stücke liegen mir eben besonders am Herzen. Ich liebe die unterschiedlichen Formen. Man schafft einen Rahmen und über diese Rahmen arbeite ich dann – mit Perlen, Kristallen. Und Wien ist ja die perfekte Stadt für Menschen, die Formen lieben, z.B. die Wiener Jugendstil-Fliesen: Jedes Mal, wenn ich ein Gebäude mit solchen Fliesen betrete, muss ich sie fotografieren. Das inspiriert mich.

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Wie lange dauert ein Stück, bis es fertig ist?

Das ist schwierig zu sagen. Man kann nicht wirklich zählen, denn wenn man zählt, zahlt keiner. Ich investiere so viel Zeit, bis ich mit dem Stück zufrieden bin. Ein paar Stunden für einfache Stücke, bis mehrere Tage für aufwendige Kreationen. Ich bin auch sehr heikel, ich mag keine schlampigen Dinge. Genauigkeit ist wichtig. Und ich bin extrem perfektionistisch. Das heißt, sogar wenn ich improvisiere – und Dinge werden immer improvisiert –, wenn ich merke, der Plan ist fad, es fehlt was, dann muss das erst wachsen. Und es wächst. Ich mag planen, durchdenken. Aber jede Improvisation wächst erst im Prozess. Und ich liebe es besonders, mit wertvollen Materialien zu arbeiten.

Und du hast überhaupt keine Helferlein, die dich unterstützen?

Nein, ich mache alles ganz alleine. Aber es gibt Materialien, die von woanders kommen und die ich in meine Stücke einbaue. Im Mai war ich in Barcelona, auf einer Messe. Da hab ich eine Dame aus Rumänien kennengelernt, die in Frankreich lebt und eine Kooperative von Flüchtlingsfrauen gegründet hat, die mit Perlen häkeln. Mit den Stoffen von ihnen arbeite ich. Das hab ich gekauft und gesagt: Damit möchte ich Kopfschmuck machen. Jetzt im Februar fliege ich nach Paris, ich möchte mehr Stücke. Und ich gebe alle Credits an. Wenn eine Braut zu mir kommt, weiß sie, woher der Stoff ist. Ich bin stolz, andere Materialien von Designern in meine Sachen einbauen zu können.

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© everton rosa

Wie schaut ein typischer Tag von Niely Hoetsch aus?

Ich fange normalerweise um halb 9 im Atelier zu arbeiten an, aber ich bin eine ziemliche Chaotin. Wenn ich angefangen habe mit etwas und dann z.B. nur das Cover von einem Buch sehe, das mich inspiriert, beginn ich sofort mit etwas Neuem. Es ist ganz normal bei mir, dass ich so drei bis vier verschiedene Stücke hab, an denen ich gleichzeitig arbeite. Denn wenn eine Idee kommt, muss ich sofort zeichnen und beginnen, die Idee zu verwirklichen. Bis 2 arbeite ich also entweder im Frühling im Atelier und entwerfe Stücke für Niely Hoetsch oder im Herbst für Wedding Affairs. Am Nachmittag verbringe ich Zeit mit meinen Kindern. Am Abend schreibe ich für den Katalog Wedding Affairs oder Konzepte für die Kollektion, was eben so anfällt.

Du hast erzählt, du bist bei deiner Oma quasi im Atelier aufgewachsen, die auch Kopfschmuck designt hat. Aber studiert hast du internationale Politik, später auch in internationalen Organisationen gearbeitet. Was hat dich dazu gebracht und was hat schlussendlich doch dazu geführt, dass du in der Branche des Hochzeitsdesigns Fuß gefasst hast?

Ich bin in Brasilien aufgewachsen und hab mich für Kunst und Reisen interessiert, wollte immer in Paris oder New York leben. Ich wollte die Welt kennenlernen. Und mein Opa sagte damals: Wenn ich rauskommen will in die Welt, muss ich Diplomatin werden. Es war ein naiver Gedanke. Da ich aber auch politisch interessiert war, habe ich Internationale Politik studiert, hab ein Jahr in Deutschland verbracht, ein Jahr in Frankreich, dann bin ich wieder zurück, hab die Uni fertiggemacht. Ein Job bei den United Nations hat mich dann nach Wien gebracht. Ich war dadurch aber viel auf Reisen, dauernd unterwegs und wollte das nach meiner Babypause nicht mehr. Ich wollte lieber bei meinen Kindern bleiben. Man könnte fast sagen, ich hatte eine existenzielle Krise. Was sollte ich tun? Meine Oma konnte mein Jammern irgendwann nicht mehr ertragen und meinte zu mir: ‚Ich höre auf. Wenn du mit dem Designen nicht weitermachst, stirbt die Kunst aus.‘ Ich hielt sie für verrückt. Nach 10 Minuten nachdenken rief ich meinen Mann an. Er sagte, das wäre nicht verrückt. Das war der Moment, wo meine Entscheidung fiel.

Und das war eine gute Entscheidung 😉 Ich bin schon echt gespannt auf die Brautsache im Februar, die du zusammen mit Michaela Honies organisierst. Freue mich auf ein baldiges Wiedersehen. Bis dahin: Viel Inspiration und Erfolg!

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Headpieces: Niely Hoetsch / Jenny Packham bei Das Weddings / Photos by Everton Rosa at Hotel SansSouci and Palais Niederösterreich / Production, Styling & Headpieces by Niely Hoetsch /Make-up & Hair by Monika Cetin

Fotos von Niely Hoetsch und Text: Tamara Hörmann

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Exklusive Brautmode in Wien ~ Die Bridal Trunk Show 2013 im Palais Daun-Kinsky

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