Versicherungen nach der Hochzeit: Was Paare ändern müssen

Frisch verheiratetes Paar sortiert gemeinsam Unterlagen am Küchentisch

Die Feier ist vorbei, die Geschenke sind ausgepackt, und irgendwo liegt noch der Ordner mit den Versicherungsunterlagen von euch beiden. Genau der gehört jetzt auf den Tisch, denn mit der Heirat ändert sich mehr, als die meisten Paare vermuten.

Der angenehme Teil zuerst: Ihr könnt Versicherungen zusammenlegen und dabei mehrere hundert Euro im Jahr sparen. Der wichtige Teil danach: Einige Änderungen sind fristgebunden. Wer sie verschläft, zahlt doppelt oder steht ohne Versicherungsschutz da. Wie ihr rund um die Feier grundsätzlich abgesichert seid, ist im Versicherungs-Wiki zusammengestellt. Hier geht es um alles, was danach kommt.

Was sich automatisch ändert und was nicht

Eine verbreitete Annahme lautet, der Ehepartner sei nach der Hochzeit in allen bestehenden Verträgen automatisch mitversichert. Das stimmt nur in einem einzigen Fall.

Automatisch mitversichert ist der Partner nur in der Rechtsschutzversicherung. Besteht eine Private Rechtsschutzversicherung oder ein Erweiterter Verkehrs-Rechtsschutz, wird der Ehepartner mit der Eheschließung automatisch eingeschlossen.

In allen anderen Versicherungen passiert ohne euer Zutun nichts. Ihr müsst die Hochzeit aktiv melden und den Ehepartner in den bestehenden Vertrag aufnehmen lassen. Auch eine Namensänderung gehört gemeldet, sonst stimmen Vertragsdaten und Ausweis nicht überein.

Das klingt nach Bürokratie, ist aber in den meisten Fällen eine E-Mail pro Vertrag.

Diese Versicherungen zusammenlegen

Hier liegt das Sparpotenzial. In der Regel ist ein gemeinsamer Vertrag deutlich günstiger als zwei einzelne:

VersicherungZusammenlegen möglichTypische Ersparnis pro Jahr
Private Haftpflichtversicherungja, Partner ist mitversichert60 bis 120 €
Hausratversicherungja, ein gemeinsamer Haushalt80 bis 200 €
Unfallversicherungja, oft mit Partnerrabatt40 bis 100 €
Rechtsschutzversicherungja, Partner automatisch dabei100 bis 180 €
Kfz-Versicherungnein, aber Partner eintragen50 bis 150 €

Zwei Single-Tarife kosten bei gleicher Leistung meist etwa das Doppelte.

Die Regel beim Zusammenlegen: Der ältere Vertrag bleibt bestehen, der jüngere wird gekündigt. Nach der Hochzeit greift dafür ein Sonderkündigungsrecht, sodass ihr die reguläre Frist nicht einhalten müsst.

Prüfen solltet ihr trotzdem, welcher Vertrag die besseren Bedingungen hat. Eine vor zehn Jahren abgeschlossene Haftpflicht ist oft schlechter als eine neue, weil sich Deckungssummen und eingeschlossene Fälle deutlich verbessert haben. Im Zweifel behaltet ihr den jüngeren Vertrag und kündigt den älteren regulär.

Bei der Hausratversicherung gibt es eine Besonderheit: Zieht ihr zusammen, laufen beide bestehenden Verträge noch zwei Monate parallel. Danach muss einer gekündigt werden. Prüfen solltet ihr außerdem die Versicherungssumme für den gemeinsamen Hausrat, denn zwei Haushalte ergeben mehr Inventar als einer.

Was ihr in den ersten Wochen erledigen solltet

Diese Punkte haben Fristen oder wirken sich direkt aufs Geld aus:

  1. Krankenversicherung prüfen. Ist ein Ehepartner privat versichert und der andere gesetzlich, ändert sich zunächst nichts. Verdient einer künftig deutlich weniger oder gar nichts, kommt die Familienversicherung in Betracht, allerdings nur in der gesetzlichen Kasse. Sobald Kinder dazukommen, wird diese Frage noch wichtiger.
  2. Steuerklassen ändern. Nach der Heirat landet ihr automatisch in Steuerklasse IV. Bei sehr unterschiedlichen Einkommen lohnt oft die Kombination III und V oder das Faktorverfahren.
  3. Bezugsberechtigung anpassen. In Lebens-, Renten- und Unfallversicherungen steht oft noch ein Elternteil als Begünstigter. Das solltet ihr aktiv ändern, denn im Todesfall zählt das Formular, nicht die Ehe.
  4. Kfz-Versicherung ergänzen. Fährt der Partner das Auto regelmäßig mit, muss er eingetragen werden. Umgekehrt kann ein günstigerer Schadenfreiheitsrabatt übertragen werden.
  5. Namensänderung melden. An alle Versicherer, die Bank und den Arbeitgeber.

Punkt drei wird am häufigsten vergessen und hat die größten finanziellen Folgen. Eine Lebensversicherung zahlt an denjenigen, der im Vertrag steht. Wer dort nicht eingetragen ist, wird auch als Ehepartner nichts erhalten.

Welche Absicherung jetzt neu dazukommt

Mit der Ehe entsteht eine gegenseitige finanzielle Verantwortung. Zwei Versicherungen werden dadurch wichtiger, als sie es vorher waren, besonders wenn Kinder geplant sind:

Risikolebensversicherung. Sie zahlt eine vereinbarte Summe, wenn ein Ehepartner stirbt, und soll die Familie finanziell absichern. Wichtig wird die Risikolebensversicherung besonders, wenn ihr gemeinsam eine Immobilie finanziert oder wenn einer deutlich mehr verdient. Als Regel gilt das Drei- bis Fünffache des Jahresbruttoeinkommens, bei einem Kredit mindestens die Restschuld.

Praktisch ist bei der Risikolebensversicherung die Über-Kreuz-Variante: Jeder versichert das Leben des anderen und ist selbst Versicherungsnehmer. Damit wird die Auszahlung nicht mit Erbschaftsteuer belastet, was bei größeren Summen mehrere tausend Euro ausmacht. Wird der Vertrag erst nach der Hochzeit abgeschlossen, lässt sich das gleich richtig aufsetzen.

Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie ist unabhängig vom Familienstand wichtig, gewinnt aber an Bedeutung, sobald ein Ehepartner für den anderen mit einsteht. Fällt das Einkommen des Hauptverdieners weg, trägt der andere die Familie allein. Beide sollten deshalb abgesichert sein, auch derjenige, der weniger verdient oder die Kinder betreut.

Wichtig bei beiden: Die Beiträge steigen mit dem Alter, und der Gesundheitszustand entscheidet über die Aufnahme. Wer das gleich nach der Hochzeit erledigt, zahlt weniger als drei Jahre später.

Diese Verträge braucht ihr nicht doppelt

Manches kann weg. Prüft eure Ordner auf diese Überschneidungen:

  • Zwei Haftpflichtversicherungen. Eine reicht, der Partner ist mitversichert.
  • Zwei Auslandsreisekrankenversicherungen. Meist gibt es einen Familientarif für wenige Euro mehr, der später auch Kinder einschließt.
  • Doppelte Zusatzversicherungen über die Kreditkarte. Viele Karten enthalten Reiseschutz, der einen separat abgeschlossenen Vertrag überflüssig macht.
  • Mehrere Rechtsschutzverträge. Ein Vertrag deckt beide Ehepartner ab.
  • Zwei Hausratversicherungen nach dem Zusammenziehen. Nach zwei Monaten muss eine gekündigt werden.

Eine Doppelversicherung nützt nichts: Im Fall eines Schadens zahlt nur ein Versicherer, die Beiträge für den zweiten Vertrag sind verloren. Das gilt auch für Unfälle, bei denen zwei Unfallversicherungen bestehen. Der Gesamtverband der Versicherer stellt in seiner Themenübersicht Hintergründe zu den einzelnen Sparten bereit.

Ein Termin, an dem ihr alles durchgeht

Am effizientesten erledigt ihr die Umstellung an einem Nachmittag. So geht ihr vor:

  • Alle Versicherungen auf den Tisch. Beide Ordner, dazu die digital abgeschlossenen Verträge aus dem Postfach.
  • Nach Sparten sortieren. Haftpflicht zu Haftpflicht, Hausrat zu Hausrat.
  • Doppelungen markieren. Bei jedem Paar entscheidet ihr, welcher Vertrag bleibt.
  • Abschlussdatum und Bedingungen vergleichen. Nicht automatisch den älteren behalten.
  • Kündigungen schreiben. Mit Hinweis auf die Hochzeit, dann greift in der Regel das Sonderkündigungsrecht.
  • Änderungen melden. Namen, Adresse und den Ehepartner als mitversicherte Person.

Rechnet mit zwei bis drei Stunden. Die Ersparnis liegt bei den meisten Paaren zwischen 200 und 500 Euro im Jahr, dauerhaft.

Wer die Hochzeit ohnehin systematisch angegangen ist, kennt das Prinzip schon von der 33-Punkte-Checkliste für die eigene Hochzeitsplanung: Einmal sauber sortieren spart später viel Nachfragen.

Kurz zusammengefasst

  • Automatisch mitversichert ist der Partner nur in der Rechtsschutzversicherung.
  • Haftpflicht, Hausrat, Unfallversicherung und Rechtsschutz lassen sich zusammenlegen und sparen 200 bis 500 Euro im Jahr.
  • Beim Zusammenlegen entscheidet nicht das Alter des Vertrags, sondern die Qualität der Bedingungen.
  • Ändert die Bezugsberechtigung in Lebens- und Unfallversicherungen aktiv, sonst erhält der Ehepartner im Ernstfall nichts.
  • Risikolebensversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung werden nach der Hochzeit wichtiger.

Und wenn der Papierkram erledigt ist, wartet der angenehmere Teil der Planung. Wohin es danach geht, lässt sich mit den Hinweisen zur Honeymoon-Planung in Ruhe klären, dann allerdings mit dem guten Gefühl, dass zu Hause alles geregelt ist.